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Peter J. und Helga König im Gespräch mit Dr. Dirk Richter, Weingut Max Ferd. Richter, Mülheim Mosel

Lieber Dr. Dirk Richter, heute haben wir 6 Ihrer Rieslinge auf "Buch, Kultur und Lifestyle" vorgestellt. Deshalb möchten wir nun einige Fragen an Sie richten.

Anbei der Link zu den Weinbesprechungen: 6 Rieslinge des Weinguts Max Ferd. Richter

Helga König: Damit unsere Leser sich orientieren können, wo und wie sie das Traditionsweingut Max Ferd. Richter finden können hier zunächst: Zu welcher Wein-Region gehört das Gut, in welcher Gemeinde ist es beheimatet und was gibt es über die Region generell und den Weinort speziell zu sagen? 

 Constantin und Dr. Dirk Richter
Dr. Dirk Richter: Weingut Max Ferd. Richter, 54486 Mülheim an der Mosel . Die erste urkundliche Erwähnung Mülheims (Molendinum) datiert aus dem Jahre 591 n. Chr. als der Merowingerkönig Childbert II. Seinen Hof zu Molendinum seinem Oheim (Onkel) Bischof Agericus von Verdun „boni vini causa“ zum Geschenk machte. Aus dieser merowingischen Schenkung ging später die lehensab- hängige Grafschaft Veldenz hervor. Mit dem Verlust der drei Reichsstädte Metz, Toul und Verdun an Frankreich in der Mitte des 16.Jahrhunderts, wurden diese Bindungen gekappt. Die Grafschaft Veldenz gehörte fortan zum Fürstentum Pfalz-Veldenz-Zweibrücken. Hauptort der Grafschaft Veldenz blieb Mülheim/Mosel. 

 Peter J. König
Peter J. König: Wie lange existiert das Weingut Max Ferd. Richter, über wie viele Generationen reicht die Historie zurück und wer ist heute für die Leitung und die Erzeugung der Weine verantwortlich und welche interessanten Informationen gibt es grundsätzlich zur Geschichte des Gutes und seinen berühmten Kunden, früher und heute? 

Dr. Dirk Richter: Das Weingut Max Ferdinand Richter geht auf ein 1680 gegründetes Handelsunternehmen zurück und befindet sich seitdem im Besitz der Familie. Dr. Dirk Richter leitet in 9. Generation das Unternehmen, sein Sohn Constantin (10. Generation) ist verantwortlich für die Weinerzeugung. Das Unternehmen ist seit der Gründung sehr stark auf den Export ausgerichtet und verkauft 90% seiner Produktion auf Auslandsmärkten, darunter über 30% in den USA. Die Geschäftsidee der Vorfahren 1680 war, den Wein auf Schiffen die Mosel und den Rhein hinab in die Niederlande zu verbringen und dort gegen Kolonialwaren einzutauschen, die die Holländer aus ihren Kolonien nach Europa brachten. Die eingetauschten Handelswaren wurden wiederum per Schiff den Rhein herauf bis Koblenz, anschließend auf der Mosel nach Mülheim und von dort aus mit Planwagen bis ins damalige süddeutsche und österreichische Land transportiert und verkauft. Die Straße, die von Mülheim auf den Hunsrück führt, heißt heute noch im Volksmund „Kaffeestraße“ nach den dort verloren gegangenen Kaffeebohnen. Im Jahre 1880, der Moselwein strebte einer wirtschaftlichen Blüte ohnegleichen entgegen, legte Max Ferd. Richter (6.Generation) den Wein als alleinigen Gegenstand des Unternehmens fest und beendete damit die Entwicklung vom Universal- zum Weinhandelshaus. Berühmtester Gast im Hause war Kaiser Napoleon im November 1813 – das Rheinland war damals französisch -, dem unser Vorfahre ein Lösegeld in Höhe von 3000 Taler aus privater Schatulle überreichte, um die Brandschatzung von Mülheim und der Grafschaft Veldenz durch die marodierende Soldateska abzuwehren.

 Helga König
Helga König: Wieviel ha Rebfläche werden kultiviert, welche Rebsorten werden angebaut und welche speziellen Lagen gilt es zu nennen? 

Dr. Dirk Richter: Das Weingut bewirtschaftet 20 ha Steillagen-Rebflächen in Mülheim (Sonnenlay, Helenenkloster), Veldenz (Elisenberg), Brauneberg (Juffer und Juffer-Sonnenuhr), Graach (Himmelreich und Dompropst), Wehlen (Sonnenuhr) und Erden (Treppchen). Die Weinberge sind zu 95% mit Rieslingreben bepflanzt, der Rest sind Weiß- und Spätburgunder sowie eine neu gepflanzte Versuchsanlage mit mittelalterlichen Rebsorten (Weißer Heunisch, Orleans-Rebe u.a.), die im gemischten Satz gepflanzt wurden und auch so geerntet und ausgebaut werden. Über einzelbetriebliche Verträge mit Winzern aus Mülheim wird der Ertrag von zusätzlich ca. 20 ha Weinbergen der Lage "Mülheimer Sonnenlay" verarbeitet. Dieser Wein wird als Zeppelin - Wein weltweit vermarktet. "Mülheimer Sonnenlay“ wurde in den 1920er und 1930er Jahren in dem Bordrestaurant des Luftschiffes "Graf Zeppelin", später "Hindenburg" angeboten und verkauft. Die Mülheimer Winzer machten aus dieser Tatsache eine Weinvermarktungsidee, indem sie ein Etikett im Stile des Art-déco von einem Bauhauskünstler (Hans Schlösser) entwerfen ließen und den Zeppelin dort unter dem Schlagwort "meistgetrunken auf den Fahrten des Graf Zeppelin" integrierten. Dieses Konzept trägt auch noch heute und findet auf zahlreichen Exportmärkten großen Anklang. 

Peter J. König: Wie ist das Terroir in den Spitzenlagen zu beschreiben und welche Philosophie bestimmt die Arbeit in den Weinbergen, bei der Lese und der Kellerwirtschaft? 

Dr. Dirk Richter: Unsere Weine wachsen auf Schieferverwitterungsböden, die unterschiedliche mineralische Schwerpunkte besitzen: grauer, brauner, blauer und rötlicher Schieferboden. Die Rieslingrebe ist in der Lage, diese Unterschiede im Glase widerzuspiegeln und schmeckbar zu machen. Voraussetzung ist, dass mit hoher handwerklicher Präzision gearbeitet wird. Unsere Rieslingmoste vergären mit natureigener Hefe in traditionellen 1000 l Holzfässern (Fuder), um diese Individualität zu fördern und den Weinen ein langes Flaschenleben zu garantieren. 

Helga König: Macht sich der Klimawandel in den Weinbergen bereits bemerkbar, wenn ja, wie wird darauf reagiert? 

 Braunsberger Juffer und Juffer Sonnenuhr
Dr. Dirk Richter: Das sich ändernde Klima bringt neue Herausforderungen für den Weinbau, denen wir uns stellen. Wir verzichten auf den Einsatz von Spritzmitteln zur Bekämpfung von Insekten und anderen Schädlingen (biologische Bekämpfung durch den Einsatz von Aphrodisiaka) sowie das Unkraut (Beikraut) in den Weinbergen. Wir spritzen hingegen konventionell gegen Schadpilze an Reblaub und Trauben (Roter Brenner, Peronospora, Oidium und Botrytis). Aufgrund des Klimawandels muss das häufiger geschehen als früher. Die finale Reifephase der Trauben, ein Zeitraum besonders hoher Anfälligkeit gegen Starkregen, späte Hagelereignisse, Fäulnis etc., hat sich erheblich verlängert und führt dazu, dass die Traubenlese heute gut 14 Tage früher beginnt als noch vor 15 Jahren. Aufgrund von Trockenheitsproblemen sind die Laubwände heute kürzer und der Ertrag wird stark zurückgefahren. Wir sorgen uns heute nicht mehr um die Reife und den natürlichen Zuckergehalt der Trauben, sondern um die Entwicklung der Fruchtsäure. Letzteres ist denn auch heute unser Maßstab für den Beginn der Ernte. 

Peter J König: Unsere Leser möchten auch immer gerne wissen, wie sie die Weine des vorgestellten Weingutes beziehen können, welche Möglichkeiten gibt es diesbezüglich? 

 Braunsberger Juffer
 (Moselort Braunsberg im Hintergrund)
Dr. Dirk Richter: Unsere Weine sind direkt ab Hof zu beziehen, im Internet über die Fa. Vicampo und den einen oder anderen Fachhändler. Im Zweifelsfalle geben wir den Interessenten Tipps und Ratschläge. 

Helga König: Interessant ist natürlich, wie der Erzeuger seine Weine selbst charakterisiert, was gibt es dazu zu sagen? 

Dr. Dirk Richter: Richter-Weine sind Botschafter des reichen kulturellen Erbes der einzigartigen Mosellandschaft. Sie sind belebend, erfrischend und von komplexer Verspieltheit. 

Peter J. König: Nichts ist authentischer als die Weine dort zu probieren, wo sie gewachsen sind und erzeugt wurden, gibt es die Möglichkeit einer Weinprobe im Gut, eines Gutsfestes etwa oder sonstige Veranstaltungen Vorort, bei denen man in angenehmer Atmosphäre die Weine verkosten kann? 

 Mühlheim und Mühlheimer Sonnenlay
Dr. Dirk Richter: Wir bieten gerne Weinproben an. Auch an Wochenenden und Feiertagen. Im kommenden Jahr sind wir Gastgeber bei der Veranstaltung "Mythos Mosel", zudem werden unsere Weine in Bernkastel-Kues im Rieslinghaus Porn und in Trier im Weinhaus Minarski angeboten. 

Helga König: Werden die Weine eventuell von renommierten Weinführern vorgestellt und gibt es erwähnenswerte Prämierungen? 

 Weingut Max Ferd. Richter
Dr. Dirk Richter: Unser Weingut wird vorgestellt im Gault Millau, dem online Magazin „Mosel Fine Wines“, dem Wine Advocate, dem Wine Spectator, dem Decanter u.a.m. 

Lieber Dr. Dirk Richter, wir danken Ihnen vielmals für das aufschlussreiche  Gespräch.

Ihre Helga König, Ihr Peter J. König



Bitte klicken Sie auf  den Link, dann gelangen Sie zum Weingut Max Ferd. Richter und können den Wein dort bestellen. www.maxferdrichter.com