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Helga und Peter J. König im Gespräch mit Stephan Müller, Weingut Eugen Müller, Forst/ Pfalz

Lieber Herr Stephan Müller, heute haben wir  auf "Buch, Kultur und Lifestyle" sechs Ihrer Weine vorgestellt.  Deshalb möchten wir nun einige Fragen an Sie richten.

Hier der Link zu den Weinbesprechungen: 6 Weine aus dem Weingut Stephan Müller 

Helga König: Damit unsere Leser eine Vorstellung davon bekommen, wo das Weingut Eugen Müller zu finden ist, hier zunächst die Frage: In welcher Winzer-Gemeinde ist das Gut zuhause, zu welcher Region gehört der Weinort und was gibt es Wissenswertes über das Wein-Anbaugebiet zu sagen?

 Stephan Müller
Stephan Müller: Unser Weingut liegt in Forst an der Weinstraße, in der Weinbauregion Pfalz. In Forst gibt es die berühmten Weinlagen wie Pechstein, Ungeheuer, Jesuitengarten, Freundstück und Kirchenstück, in denen unsere Rieslingweine gedeihen. Der Basalteintrag in den Forster Böden fungiert als Wärmespeicher, der die Wärme nachts langsam abgibt und somit die täglichen Klimaschwankungen verringert, außerdem lassen diese gut durchlüfteten, leicht erwärmbaren Böden mineralische, extraktreiche und fruchtige Weine wachsen. Schon 1828 wurden die Forster Spitzenweinlagen durch die Königlich-Bayrische Bodenbeurteilung mit den Höchstpunktzahlen 56 bis 65 bewertet. Die Lage Forster Kirchenstück wurde der höchsten Bonitätsklasse 65 zugeordnet. 

 Peter J. König
Peter J. König: Wie lange existiert das Familien-Weingut Eugen Müller, wie viele Generationen sind im Gut tätig und wer ist aktuell verantwortlich für die Erzeugung und den Ausbau der Weine? 

Stephan Müller:  Bereits seit 1767 betrieb die Familie Wallbillich eine Küferei in Forst. Neben der Fassherstellung war der Küfer Wallbillich auch verantwortlich für Ausbau und Füllung der Weine in den umliegenden Weingütern (Lohnküferei). Seinen heutigen Namen erhielt das Weingut von Kurt Müllers Vater, dem Küfermeister Eugen Müller, der 1935 in die Familie Wallbillich einheiratete. Die Entwicklung von Küferei zu Weinhandel - Weingut begann 1952. In diesem Jahr vernichtete ein Hagelsturm die Weinernte der Forster Weingüter, so dass Eugen Müllers 30 neue Fässer nicht mehr benötigt wurden. Aus dieser Not heraus kaufte Eugen Müller Trauben aus anderen Gebieten und baute den Wein auf eigene Rechnung aus.

In den darauf folgenden Jahren erwarb er immer mehr Rebland durch Pacht und Kauf, was schließlich 1971 zur Gründung des Weinguts Eugen Müller führte. Bereits ein Jahr zuvor gab der Betrieb die Holzküferei auf, während er die Lohnküferei bis 1989 ausführte. Nach dem Weinbaustudium in Geisenheim leitete Kurt Müller von 1971 bis 2014 das Weingut. Im Juni 2000 stieg Sohn Stephan ins Weingut ein, der ebenfalls in Geisenheim sein Diplom für Weinbau und Kellerwirtschaft erwarb. Heute wird das Weingut in dritter Generation von Stephan und Christine Müller geführt. 

  Helga König
Helga König:Wie viel ha Rebfläche werden kultiviert, welche Rebsorte wird unter anderen hauptsächlich angebaut und was sagt dies über das Terroir aus? 

Stephan Müller:  Es werden 20 ha Rebfläche kultiviert. Dabei werden überwiegend klassische Weinsorten angebaut: Neben dem Riesling, der mit 77% die Hauptrebsorte darstellt, werden weitere Weißweinsorten wie Weiß- und Grauburgunder sowie Sauvignon Blanc angebaut; die Rotweinsorten stellen etwa 13% der Rebfläche dar. Die Böden in Forst bestehen aus Sandsteingeröll, sandigem Lehm und Basalt. Die dichten Lehm- und Sandschichten sorgen für optimalen Wasserhaushalt und Mineralstoffaufnahme. Die Rieslinge sind hochfein, elegant und zeichnen sich durch ein harmonisches Spiel von Frucht und Mineralität aus.

Peter J. König: Welche berühmten Lagen besitzt das Weingut Eugen Müller und was gibt es darüber zu berichten? 

Stephan Müller:  Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass wir in allen berühmten Forster Lagen Weinberge haben. Die Trauben aus diesen Lagen werden zu trockenen Kabinettweinen und Spätlesen ausgebaut. Aufgrund der kleinen Größen von Freundstück und Kirchenstück werden diese Trauben nur zu trockenen Spätlesen ausgebaut. 

Helga König: Welche Philosophie bestimmt die Erzeugung der Weine, hinsichtlich der Weinbergspflege, der Lese und der Kellerwirtschaft? 

 Stephan Müller
Stephan Müller: Dieser Buchstabe symbolisiert unser Weingut, unsere Familie und unsere Weine. Und jede Flasche, die dieses Logo trägt, beinhaltet einen Wein, der noch die Frucht der Trauben am Rebstock schmecken lässt. Um dies zu erreichen, arbeiten wir nach den Richtlinien des kontrolliert umweltschonenden Weinbaus. Mechanische Bodenbearbeitung, umweltschonender Pflanzenschutz und Traubenselektion bei der Lese sind ebenso selbstverständlich wie eine langsame, gekühlte Vergärung und Reife im Edelstahltank und Holzfass. Auch die individuelle Beurteilung jeder einzelnen Fuhre geernteter Trauben, intensive Verkostung aller in den Fässer reifenden Weine sowie die Beratung über den weiteren Ausbau sind eine ideale Basis für die Entstehung von feinfruchtigen Weinen mit lebendiger Frische. 

Peter J. König: Der Klimawandel ist heutzutage ein sehr aktuelles Thema, wie zeigt sich dieser in den Weinbergen des Weinguts Eugen Müller und wie wird darauf reagiert? 

Stephan Müller: Fruchtig typische Rieslinge mit ihrer charakteristischen Säure sind unser Ziel. Um dies zu erreichen, ernten wir gesunde Trauben bei physiologischer Reife auch schon etwas früher. So hat sich die Zeit unserer Weinlese in den letzten Jahren immer mehr in den September verschoben und liegt nicht mehr wie früher hauptsächlich im Oktober. 

Helga König: Unsere Leser möchten immer gerne wissen, wie sie die Weine des vorgestellten Weinguts beziehen können, gibt es einen Online-Shop und kann man die Weine auch per E-Mail, Fax oder Telefon bestellen, nachdem man sich auf der Homepage informiert hat? 

 Stephan Müller
Stephan Müller:  Unsere Weine können gerne per Mail unter kontakt@weingut-eugen-mueller.de, per Telefon unter 06326-330 oder per Fax 06326-6802 bestellt werden. Informationen zu unserem Weingut erhält man unter www.weingut-eugen-mueller.de oder bei Facebook unter www.facebook.com/weinguteugenmueller

Peter J. König: Nichts ist doch so authentisch wie die Weine dort zu verkosten, wo sie gewachsen sind und erzeugt wurden. Besteht die Möglichkeit eines Hoffestes oder sonstiger Veranstaltungen im Gut, bei denen man auf angenehm gesellige Weise die Weine probieren kann, um sie notfalls gleich zu erwerben und mitzunehmen? 

Stephan Müller: Von den Weinen überzeugen kann man sich direkt im "Weintreffpunkt", dem Weinprobierraum oder auf zahlreichen Veranstaltungen wie den Weinprobiertagen mit Jahrgangspräsentation Mitte Mai, dem Forster Weinfest am ersten Wochenende im August und dem Adventstreffpunkt am Wochenende vor dem ersten Advent. 

Helga König: Interessant ist auch immer zu hören, wie der Winzer seine Weine selbst charakterisiert, was gibt es dazu zu sagen? 

Stephan Müller: Die hervorragenden Forster Weinlagen wie Kirchenstück, Jesuitengarten, Ungeheuer und Pechstein bieten eine große Vielfalt an Bodenbeschaffenheiten wie Buntsandstein, Kalk und Basalt. Diese spiegeln sich in den Weinen wider. So gedeihen individuelle, charakterstarke, mineralische Weine mit einem feinen Frucht-Säure-Spiel. Das Forster Kirchenstück z.B. ist einer der zuletzt gelesenen Weine; ein hochreifes, selektioniertes, gesundes Lesegut mit einer präsenten Säurestruktur, feingliedrig und zugleich komplex im Geschmack. Vollreife süßliche Pfirsicharomen und eine würzige Struktur sind ein Zeichen für maximale Reife am Stock. Luftige Erziehung, frühzeitiges Entblättern und Traubenhalbierung kurz vor Traubenschluss sind unser Garant für konzentrierte gesunde Trauben. Die Selektion "CYRIAKUS" wurde nach 18 Stunden Maischestandzeit unter CO2 Schutz gekeltert, und im Pfälzer Stückfass und Tonneaux ausgebaut. Die kräftige, dichte mineralische Struktur, gepaart mit einer präsenten aber zarten Säure verleiht dem Wein ein großes Reifepotential. Seit einigen Jahren erfreuen sich auch die Burgunder, Sauvignon Blanc und Blanc de Noir steigender Beliebtheit. Das Terroir verleiht auch diesen Weinen ihre besondere Note. 

Peter J. König: Natürlich ist es immer von Interesse wie die Weine bei professionellen Verkostungen abgeschnitten haben und prämiert worden sind, ebenso wie sie von renommierten Weinführern wie Eichelmann und Gault Millau eingestuft werden, wie sieht es damit aus? 

 Stephan Müller
Stephan Müller: Wir freuen uns über eine Topbewertung mit 3 Sternen von Gerhard Eichelmann (Eichelmann 2017). Er bewertet 14 Weine zwischen 85 und 89 Punkten und bestätigt so unsere bisherigen Erfolge. Im Gault Millau 2017 werden wir mit 2 Trauben geführt. 12 Weine zwischen 84 - 89 Punkten. Beste Bewertungen erhalten unsere trockenen Riesling Spätlesen aus den Lagen Pechstein, Jesuitengarten und Ungeheuer. Im Feinschmecker Special 2016/2017 waren drei unserer Riesling Spätlesen aus den Lagen Jesuitengarten, Pechstein und Freundstück unter den besten 10 der Pfalz. Sie erlangten die Plätze 1, 3 und 7. Und bei den Kabinettweinen ist unser Ungeheuer auf Platz 5 und unser Jesuitengarten auf Platz 10. Der Feinschmecker bewertet uns mit 3,5 Feinschmecker-Punkten.

Lieber Stephan Müller, wir danken Ihnen herzlich für das aufschlussreiche Gespräch.

Ihre Helga König, Ihr Peter J. König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie  zum Weingut Eugen Müller und können dort den Wein bestellen: