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Helga König im Gespräch mit #Dieter_L_Schmich über sein Buch "In 4 Wochen zum besseren #Job", #dielus_edition.

Lieber Herr Schmich,  dieser Tage habe ich  Ihr Buch "In vier Wochen zum besseren Job- Durch zeitgemäße Bewerbungsstrategien schneller zum Erfolg" auf  "Buch, Kultur und Lifestyle" vorgestellt.  Deshalb auch möchte ich heute einige Fragen an Sie richten.


Helga König: Was sollten Jobsuchende im Hinblick auf den sogenannten verdeckten Stellenmarkt wissen und welche Möglichkeiten gibt es, um sich diesen zu Nutze zu machen? 

Dieter L. Schmich
Foto:privat
Dieter L. Schmich: Alle Jobsuchende sollten sich im Klaren sein, dass mittlerweile mehr als 50 Prozent aller Vakanzen des deutschsprachigen Arbeitsmarkts nicht mehr öffentlich ausgeschrieben werden. Sie sind weder als Inserate in Zeitungen, noch im Internet in den zahlreichen Onlinebörsen zu finden. Insbesondere für interessante Positionen nutzen Unternehmen heute andere Wege, um diese zu besetzen. Unter diesem heute üblichen "Verdeckten Stellenmarkt" leidet insbesondere die Arbeitsagentur, die dadurch nicht mehr vollständig informiert ist, bei welchen Unternehmen Stellen vakant sind. Dies ist im Übrigen auch die Ursache, warum Deutschland einer der wenigen Länder ist, wo die Zeitarbeit einen derart großen Stellenwert einnimmt. 

Es ist die Arbeitsagentur selbst, die diese den sozialen Frieden nicht förderliche Arbeitsform unterstützt. Hätte sie die Jobangebote dieser Leasingsfirmen nämlich nicht zur Verfügung, würde offenbar werden, dass sie im Dunkeln tappt, bei welchen Arbeitgebern überall berufliche Chancen auf Bewerber warten. 

Die hauseigene Onlinejobbörse der Arbeitsagentur wäre also ohne die Zeitarbeitsinserate nahezu verwaist. Das böte sicher politischen Zündstoff. Auch deren monatliche Bekanntgabe der Anzahl offener Stellen in Deutschland sind leider nur Schätzungen, die mit einem internen Berechnungsschlüssel lediglich hochgerechnet werden. Auch diese Tatsache ist der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Jobsuchende von heute hat selbst das Heft in die Hand zu nehmen und sich auf die Suche zu machen, bei welchen Firmen attraktive Stellen offen sind. Wie das geht, zeige ich in meinem Buch "In 4 Wochen zum besseren Job" auf. 

 Helga König
Helga König: Haben öffentliche Stellenanzeigen grundsätzlich einen Haken und kann man diesen schon beim Lesen einer solchen Anzeige ausloten? 

Dieter L. Schmich: Natürlich gibt es, wie immer, auch Ausnahmen. Nicht alle Inserate haben einen Haken. Insbesondere Positionen, die vom Fachkräftemangel betroffen sind, müssen in der Regel öffentlich ausgeschrieben werden. Tatsache ist aber auch, der von der Wirtschaft uns eingeredete Arbeitskräftemangel betrifft nur wenige Facharbeiterberufe sowie einige Spezialkenntnisse. In diesem engen Arbeitsmarktsegment müssen Unternehmen für ihre offenen Stellen tatsächlich Werbung für ihre Vakanzen machen und diese in Online- und Printmedien bekannt machen.

Grundsätzlich sollte man aber nie zu voreilig Stellenanzeigen bewerten. Auf der Arbeitgeberseite sind nicht immer Profis am Werk, wenn es um die Formulierung des Anzeigentextes bzw. um die Stellenbeschreibung geht. Im Allgemeinen gilt: Im Zweifelsfall immer bewerben, schließlich kann man nur gewinnen. Stellt sich im Vorstellungsgespräch das Angebot als unpassend heraus, kann man immer noch ablehnen. 

Helga König: Welche Vorteile bietet Ihre in Ihren Büchern vorgestellte wertfreie berufliche Stoffsammlung potentiellen Bewerbern? 

Dieter L. Schmich: Die Erarbeitung einer Stoffsammlung über seine Hardskills und Softskills ist die wichtigste Fleißarbeit bevor der Bewerbungsprozess überhaupt beginnen kann. Nur wer sich im Vorfeld diese mühselige Arbeit macht, kann im Anschluss nicht nur aussagekräftige Bewerbungsunterlagen erstellen, sondern auch in einem Vorstellungsgespräch seine "Berufliche Botschaft" im Kopf haben. Nur wer selbst weiß, warum er der richtige Kandidat ist, kann auch Arbeitgeber davon überzeugen - sowohl schriftlich als auch verbal. 

Helga König: Weshalb ist es wichtig, sich intensiv mit seinen persönlichen und berufliche Kenntnissen und Fähigkeiten zu befassen, bevor man sich bewirbt? 

 Dieter L. Schmich
Dieter L. Schmich: Die meisten Jobsuchenden sind sich nicht darüber bewusst, welchen hohen Wert so manche ihrer persönlichen und fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten haben. Dies hat einen simplen Hintergrund, denn im Laufe eines Berufslebens entsteht Routine. Viele nach und nach erworbenen interessanten Soft-/Hardskills werden mit der Zeit als Selbstverständlichkeit abgetan. Der Bewerber hat subjektiv den Eindruck, dass vieles nicht mehr erwähnenswert sei. 

Bei der Jobsuche ist dies jedoch kontraproduktiv. Nur dann, wenn sich der Jobsuchende im Vorfeld objektiv und vor allem aus Sicht eines Unternehmens mit seinem beruflichen Wert befasst, kann er sich darüber klar werden, welche enormen Vorteile er tatsächlich bietet. Man wird sich seiner selbst bewusst. Daraus entsteht Selbstbewusstsein. Das ist die Grundvoraussetzung um ein gewisses Gefühl für seinen beruflichen Wert entwickeln zu können. So kann in der Folge Selbstvertrauen entstehen, was schließlich zur gewünschten Selbstsicherheit und logischerweise zu erfolgreicheren Vorstellungsgesprächen führt. 

 Helga König
Helga König: Wer nach neuen Arbeitgebern Ausschau hält, dem stehen zahlreiche effektive Varianten zur Verfügung. Können Sie an dieser Stelle etwas zu den Vorteilen von Netzwerken sagen? 

Dieter L. Schmich: Insbesondere interessante oder hochdotierte Positionen werden heute in der Regel intern, durch Direktkontakte oder über Netzwerke vergeben. Je intensiver sich ein Arbeitnehmer im Laufe seines Berufslebens ein großes Netzwerk aufgebaut hat, umso einfacher wird die Jobsuche. Besteht zum Bewerbungszeitpunkt jedoch noch kein eigenes Netzwerk, ist man gezwungen, sich zumindest mit der Philosophie des Networkings zu beschäftigen. Dabei spielen Kontakttechniken im Umfeld, bei ehemaligen Arbeitskollegen, bei recherchierten Arbeitgebern und vor allem innerhalb beruflichen Online-Communities wie z.B. XING die Hauptrolle. 

Helga König:  Wie erlangt man Zugang zu sehr guten Netzwerken? 

Dieter L. Schmich: Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten Netzwerke zu nutzen. Entweder man baut sein eigenes Netzwerk auf oder klinkt sich in bestehende, externe Netzwerke ein. Je niveauvoller jedoch ein externes Netzwerk ist, umso schwerer ist leider der Zugang. In der Regel geht dabei nichts von heute auf morgen. Es braucht Zeit und es muss Vertrauen aufgebaut werden. Bei der akuten Jobsuche müssen jedoch schnelle Ergebnisse her. 

Wenn man sich also in seinem bisherigen Berufsleben noch nicht in bestehende, d.h. externe Netzwerke eingeklinkt hat, macht es in der Bewerbungsphase keinen Sinn, sich spontan diesem Thema zuzuwenden. Es bleibt dem Bewerber nichts anderes übrig, als sich auf eigene, bereits bestehende Kontakte zu besinnen und nach Empfehlungen bezüglich interessanten Ansprechpartnern zu fragen. Oder man nimmt einfach den Telefonhörer in die Hand und betreibt die Kaltakquisition von Jobangeboten. Dabei ruft man einfach Firmen spontan an. Insbesondere professionelle Personalabteilungen sind heute auf unangekündigte Anrufe gut eingestellt. 

Helga König: Worauf sollte man achten, wenn man über Telefon Kontakt zu einem potentiellen neuen Arbeitgeber aufnimmt? 

 Dieter L. Schmich
Dieter L. Schmich: Das wichtigste ist die Vorarbeit. Erstens sollte der Jobsuchende im Vorfeld eine ausreichende Anzahl von potenziellen Arbeitgebern recherchiert haben, zweitens muss eine "Berufliche Botschaft" ausgearbeitet bzw. kommunizierbar sein. Treffen diese beiden Faktoren zusammen, kann der Bewerber bei seiner Kontaktarbeit mit einer sehr geringen Erfolgsquote hervorragende Bewerbungsergebnisse erzielen. In der Regel bringen zirka zehn Prozent aller Telefonate zufriedenstellende Ergebnisse. D.h. kontaktiert der Jobsuchende 100 Unternehmen, ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass er von zirka zehn "Verdeckten Stellen" Kenntnis erhält. Die meisten Jobsuchende wären schon aus dem Häuschen, wenn sie nur eine einzige freie Stelle aufspüren könnten, von der die Masse aller anderen Bewerber keine Ahnung hat. 

 Helga König
Helga König:  Halten Sie die persönliche Übergabe von Bewerbungsunterlagen für eine Methode, die dem Gestern angehört? 

Dieter L. Schmich: Dies hängt maßgeblich von dem Qualifikationslevel und der Branche ab. Grundsätzlich sehe ich aber den Trend, Firmen persönlich und ohne Vorangekündigt zu besuchen, ungebrochen. Insbesondere im Handwerk, im Einzelhandel oder bei kleinen bis mittleren Firmen wird sehr gerne gesehen, wenn Bewerber den Mut haben spontan aufzukreuzen. Dies machen in der Regel nur sehr aktive, motivierte und eigenverantwortliche Jobsuchende. Das wissen auch Arbeitgeber. 

Helga König: Wieso ist es so wichtig, beim Vorstellungsgespräch zum Schluss auch selbst Fragen zu stellen? 

Dieter L. Schmich: Natürlich haben auch Arbeitgeber einige sentimentale Vorstellungen, wenn es um den "Idealbewerber" geht. So wird oft gewünscht, dass ein zukünftiger Arbeitnehmer begeistert sein sollte, bei der jeweiligen Firma anfangen zu dürfen. Wird einem Bewerber eine interessante Position angeboten, so wird ein wenig Euphorie erwartet, zumindest aber ein ausgeprägtes Interesse an der Firma. Fragen zu stellen bekundet schließlich dieses Interesse. 

Ein dahingehend zurückhaltendes Auftreten könnte darauf schließen lassen, dass das gemachte Jobangebot vielleicht nur eine Notlösung für den Kandidaten ist. Das mag kein Entscheidungsträger. Aber auch für den Bewerber selbst ist das Fragenstellen im Vorstellungsgespräch meist die einzige Chance, das Jobangebot im Vorfeld in einem gewissen Maße überprüfen zu können. Stellt sich erst nach Arbeitsantritt heraus, dass das ausgewählte Unternehmen, das Team oder der Job selbst nicht passt, ist dies sicher eine mittlere Katastrophe, insbesondere für den Lebenslauf.

Lieber Herr Schmich, ich danke Ihnen für das aufschlussreiche Interview. 

Ihre Helga König


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